Mit Musik das Wohlbefinden bei Demenz verbessern

Dass Demenz nicht nur wenige alte Menschen betrifft, belegen die vielen Krankenstatistiken. Demenz lässt Menschen abwesend und unnahbar erscheinen. In der Musiktherapie wird ein Zugang gefunden.

Demenz ist eine Degeneration des Gehirns, die nicht mehr aufzuhalten ist. Angehörige sowie Patienten haben es im Laufe dieser Krankheit oft sehr schwer. Der Hauptbegriff „Altersdemenz“ ist ein Überbegriff, unter dem sich mehr als 50 verschiedene Krankheitstypen und Verläufe verstecken. Die Krankheit verläuft also individuell sehr unterschiedlich, führt jedoch als trauriges Resultat zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Das Orientieren, Erinnern an Bekanntes und Ausführen von gewohnten Tätigkeiten wird im Laufe der Demenz stetig schwerer, der Mensch wird zunehmend unselbständig und benötigt allumfassende Pflege. In Vergesslichkeit und Gedanken versunkene Demenz Patienten erscheinen unnahbar, abwesend und teilnahmslos zu sein. Überdies werden Familienmitglieder nicht mehr erkannt. Das große Leid des Vergessens ist vor allem für Nahestehende und Familienmitglieder schwer zu ertragen.

Mit Musiktherapie einen Zugang zum Menschen finden

Mit Musik das Wohlbefinden bei Demenz verbessern Mit der richtigen Therapie lässt sich der Krankheitsprozess zwar nicht heilen, dennoch dessen Verlauf verzögern. Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaft in Leipzig konnten in Zusammenarbeit mit der Universität Amsterdam und des INSERM Caen erstaunliches herausfinden. Menschen mit Demenz lassen sich durch den Einsatz von Musik und in der Musiktherapie erfolgreich erreichen. Zeichnet sich bei vielen Demenz Erkrankten ein Defizit in der Erinnerung, dem Denken, der Sprachsteuerung, Orientierung und sozialem Verhalten ab, ist diese Erkenntnis ein wirklicher Durchbruch. In der angewandten Musiktherapie haben die Forscher herausgefunden, dass ein etwaiges Musikgedächtnis im Gehirn selbst bei fortgeschrittenem Verlauf der Krankheit intakt und das Areal bei der fortlaufenden Degeneration des Gewebes weitgehend erhalten bleibt. In Studien konnte sich zeigen, dass die erkrankten Menschen bei alt bekannten Melodien plötzlich „wach“ erschienen. Die ausdruckslosen und wie versteinert wirkenden Gesichter wurden mit Leben gefüllt, Erinnerungen kamen auf.

Musikalischer Reiz bei Demenz entfacht Feuerwerk im Gehirn

Wie weitere Studien auf neuronaler Ebene belegten, wird Musik nicht an einem Ort im Gehirn gespeichert. MRT (Magnetresonanztomographie) Scans konnten dies belegen. Nicht wie im Allgemeinen angenommen wird Musik an einem Speicherort abgelegt, sondern vielmehr in mehreren Bereichen des Gehirns gespeichert. In den dortigen Regionen befinden sich beispielsweise Zentren für komplexe Bewegungsabläufe, Erinnerungen an Erlebnisse und hochaktive Areale, die bei der Erwartungshaltung verantwortlich sind. Der musikalische Reiz entfacht also im Gehirn ein Feuerwerk der verschiedenen Regionen und verbindet die aufeinander fein abgestimmten Abläufe. Wir nehmen Musik nicht nur wahr, sondern verknüpfen das Gehörte mit Bewegung und Ablauf. Als eine Art Langzeiterinnerung wird diese ins Gedächtnis „geschrieben“ und eng an emotionale Assoziationen geknüpft. Demenzkranke seien hier in der Lage, besonders die im Langzeitgedächtnis gespeicherten Assoziationen wieder abzurufen und sich an den emotionalen Gehalt zu erinnern. Ein Fakt, der sich in der Musiktherapie noch sehr viel weiter ausbauen ließe, um die Musik therapeutisch noch effizienter einzusetzen.

Musiktherapie – wie Musik die Brücke zwischen Bewusstsein und Wohlbefinden herstellt

Inhaltlich geht es bei der musiktherapeutischen Begleitung darum, die Lebensqualität von Demenz Patienten zu verbessern. Man kann die Krankheit weder komplett heilen noch mit Musiktherapie behandeln, doch das allgemeine Wohlbefinden verbessern und durch das gemeinsame Musizieren, dem nonverbalen Gedanken- und Gefühlsaustausch auf musikalischer Ebene, Raum bieten. Demenz Patienten wird es somit ermöglicht, über den Weg der Musik wieder miteinander zu kommunizieren, sich auszudrücken, Freude zu empfinden, oder am Alltag für eine kurze Zeit teilzunehmen. Im Vordergrund steht immer Spaß und Freude. Teilnehmer erlernen nebst gemeinsamem Singen auch das Spielen von Instrumenten. In ihrem Rahmen wird auch die Entspannung durch die Musik nah gebracht und das Umfeld aktiv wahrgenommen.

Musik zur Anregung von Kommunikation und Erinnerungsvermögen bei Demenz

Zusammen in der Gruppe werden fröhliche Lieder, angefangen bei bekannten Volksliedern bis hin zu Klassik, gesungen. In sogenannten Singrunden können sich die Demenz Patienten teilweise an komplette Lieder erinnern und stimmen begeistert mit ein. Die Musik sollte nicht die Sinne überreizen, in Therapieform nicht länger als 20 bis 30 Minuten pro Tag praktiziert werden. Sie muss die Beteiligten anregen, mitzumachen, ihre Emotionen zu zeigen und gemocht werden. In solchen Momenten können sich die Demenz Patienten frei und für einen kurzen Moment gesund und bewusst wahrnehmen. Durch Musik und Bewegung kann ein Teil der verloren gegangenen Identität wiedererlangt und die Fähigkeit für Gefühl und Selbstvertrauen geschaffen werden. Oft erleben Demenzkranke beim Singen oder Musizieren eine ihnen verlorengegangene Form der Kommunikation zurück, die ihnen auch im Alltag durch Abbau von Stress behilflich sein kann.

 

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