Ein Muss zur Weihnachtszeit – Der Nussknacker

Es lässt sich kaum leugnen – Der Nussknacker mit der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky gehört besonders zur Weihnachtszeit zu den beliebtesten Aufführungen.

Freunde des Ballett werden die Melodie sofort erkennen. Doch auch jene, die der Musik des berühmten „Nussknackers“ nur flüchtig oder gar nicht kundig sind, werden spätestens bei den ersten Tönen des hohen Glockenspiels aus dem Tanz der Zuckerfee hellhörig werden und sich fragen, woher sie diese einprägsamen Klänge kennen. Und tatsächlich, das Motiv taucht immer wieder fern der Ballettsäale hier und da auf, sei es in Werbespots, Zeichentrickfilmen oder Filmen im Allgemeinen. Doch was zeichnet den Tanz der Zuckerfee aus, dass er auf faszinierende Weise im Gedächtnis bleibt? Ohne Zweifel, es ist das überirdisch klingende Glockenspiel, ein Instrument mit dem Namen Celesta. Zu Tschaikowskys Zeiten ein noch unbekanntes Instrument, ähnlich einem Glockenspiel mit Klaviertastatur. Der Komponist erwarb es seinerzeit von einem französischen Instrumentenbauer in Paris. Damals eine Seltenheit, gehört das Instrument heutzutage zur Ausstattung fast jeden Orchesters.

Tanz der Zuckerfee

Der Nussknacker und E.T.A. Hoffmann

Der Ursprung der Geschichte des Nussknackers fußt auf einer Erzählung des Schriftstellers E.T.A. Hoffmann, die unter dem Titel Nussknacker und Mäusekönig 1816 in Berlin erschien. Doch erst die von Alexandre Dumas überarbeitete Version wurde von Tschaikowsky vertont. Die Uraufführung am Mariinski Theater in St. Petersburg 1892 war jedoch ein Reinfall. Wohl weniger wegen der Musik als vielmehr wegen der auftretenden Kinder, die wenig Bühnenerfahrung mitbrachten. Inmitten der Schlacht der Mäuse und Pfefferkuchen-Soldaten am Ende des ersten Aktes verloren die jungen Akteure die Orientierung, sodass der Akt in einem Chaos endete. Während Tschaikowskys Nussknacker Musik sich relativ schnell Beliebtheit in den Konzerthäusern erfreute, gehörte das Ballett lange Zeit zum Repertoire des Mariinski Theaters und wurde nicht auf anderen Bühnen präsentiert. Den Weg nach Westen trat das Ballettstück erst nach der russischen Revolution an, fand jedoch wenig Beachtung. Erst seit der Inszenierung von George Balanchine in den USA in den fünfziger Jahren entwickelte sich das Werk zum Welterfolg und Inbegriff des klassischen Balletts.



Oper, Kammermusik, Ballett – Tschaikowskys musikalische Werke

Die Aufzählung der musikalischen Werke des Komponisten kann sich sehen lassen. Neben Opern, Kammermusik, Klavierstücken und Liedern zählen ebenso Schauspielmusik und Orchesterwerke zu seinem künstlerischen Portfolio. Er erschuf die Ballette Dornröschen und Schwanensee, wobei er jedoch den letzten Meilenstein seiner musikalischen Laufbahn mit dem Ballett Der Nussknacker manifestierte. Nur einige Monate vor seinem Tod im November 1893 wurde das Stück uraufgeführt. Dabei lag Tschaikowsky zum Entstehungszeitpunkt eine Oper, an der er eigentlich arbeitete, viel mehr am Herzen, als das Ballett. Den Anstoß, die bezaubernde Musik für den Nussknacker zu komponieren, soll ein tragisches Ereignis innerhalb der Familie gegeben haben. Zum Gedenken an seine plötzlich verstorbene Schwester Alexandra entstand die liebevolle Schilderung des Weihnachtsfestes im ersten Akt.

Was Tschaikowskys Nussknacker mit Filmmusik zu tun hat

Dass Tschaikowskys Musik aus dem Nussknacker auch anderswo als auf den Ballettbühnen beliebt war, spiegeln Filmkomponisten und Pianisten oder Kinoorganisten zu Zeiten des Stummfilms wider. Damals wurden Kino-Filmvorführungen üblicherweise musikalisch live begleitet, wobei prägende Stücke aus dem Nussknacker zum Repertoire gehörten. Walt Disney Fans kennen sicherlich den zauberhaften Film Fantasia von 1940. Auch hier finden sich Ausschnitte aus dem Nussknacker. Doch auch andere Schätze aus Tschaikowskys Melodien dienten Filmkomponisten für den musikalischen Auftritt, z. B. aus Schwanensee in dem mit Boris Karloff verfilmten Horrorstreifen Die Mumie aus dem Jahre 1932.