Das Weihnachtsoratorium – Absicht und Hintergründe zur Zeit Johann Sebastian Bachs

Für den klassischen Musikliebhaber führt über kurz oder lang kein Weg daran vorbei; die Weihnacht ist geprägt durch Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ BWV 248 – ein sechsteiliges Oratorium für vier Solisten, gemischten Chor und Orchester. Uraufführung war zwischen dem ersten Weihnachtsfesttag (Heiliger Abend) 1734 und den heiligen drei Königen.

Die Musik ist wunderbar, sogar himmlischer Natur. Es ist neben der Matthäuspassion eines der populärsten Werke Bachs. Nennenswert sei der vielfältig großangelegte Chorus und Orchester im Wechsel zwischen schlichtem Choral und Schlusschören. Die dramatische Inszenierung des Volkschor („Lasset uns nun gehen nach Bethlehem“) und schlichtem Rezitativ.

Das Weihnachtsoratorium – Bach bediente sich älterer Werke

Was jedoch wenige wissen, der Thomaskantor Johann Sebastian Bach hat das Weihnachtsoratorium eher schnell fertig komponiert, ohne neue musikalische Elemente zu gebrauchen. Schon zu damaliger Zeit war es üblich, bereits fertiges Material „neu“ zusammen zu setzen. So entschied sich Bach, aus seinen älteren Werken eine Art „Compilation“ zu schreiben und ausschließlich bereits ältere Werke wiederzuverwerten. Heutzutage steht das Weihnachtsoratorium als Sinnbild für die Weihnacht und ist eines der populärsten Werke,- doch wurden für den Zweck der Aufführung allein neue Textpassagen angelegt. Musikwissenschaftler haben dem Thema Jahrzehnte an Mühen und Aufmerksamkeit geschenkt und sämtliche Originalstücke herausgearbeitet, mit dem Resultat, dass Bach hier wohl keinen Anlass für größeren Aufwand sah. Der Begriff des Oratoriums wurde eigentlich eher im Allgemeinen aufgefasst und bildet demnach keine große dramatische, halb epische oder lyrisch-kontemplative Kunstform. Bachs Werk enthält „lediglich“ Erzählungen und Betrachtungen – was nicht bedeuten soll, das diese minder gut geeignet seien für eine musikalische Reise durch die Weihnachtszeit oder den Neujahrestag. Konzipiert wurden die ersten drei Kantaten für die Aufführung an den drei Weihnachtstagen, die anderen drei für den Neujahrstag, ersten Sonntag im Jahr und den Epiphaniastag, dem Tag der heiligen drei Könige.

  • Kantate 1: Am ersten Weihnachtsfesttag

  • Kantate 2: Am zweiten Weihnachtsfesttag

  • Kantate 3: Am dritten Weihnachtsfesttag

  • Kantate 4: Am Neujahrstag

  • Kantate 5: Am Sonntag nach Neujahr

  • Kantate 6: Epiphanias

Historiker belegen: das Weihnachtsfest zur Zeit des Barocks war ein kirchliches Fest, aber kein gesamtgesellschaftliches Ereignis. Bach nutzte sein Können und bereits musikalisch vorhandenes Material, um insgesamt sechs einzelne Kantaten relativ ungeschlossen in einen Zusammenhang zu bringen. Ursprünglich wurden diese auch nicht wie in philharmonischen Häusern heutzutage allesamt präsentiert, sondern an verschiedenen Tagen und unterschiedlichen Orten einzeln aufgeführt. Damit sollte dem Gottesdienst jeweils etwas mehr Stimmung und Andacht geschenkt werden, doch eher im Sinne des Übergangs.

Veränderungen der Gesellschaft und die Auswirkungen auf Weihnachten

Mit Veränderung der Gesellschaft hat sich auch die Bedeutungskraft der Weihnacht geändert. Weihnachten steht hinter Ostern als Höhepunkt im Kalenderjahr und wird christlich gefeiert. Beispielhaft stehen Bachs Kantaten als improvisiertes Oratorium nun für jene Weihnachtszeit und wird wie zu keiner anderen Zeit in Konzerthallen der Welt aufgeführt. Die Veränderungen der Bedeutung der Weihnacht verlagerte sich bereits im 19. Jahrhundert in das häusliche Wohnzimmer, das Bürgertum feierte vergnügt bei Tannenbaum, Familie und Musiklieder. Hier liegen die Wurzeln der „modernen“ Weihnacht und es war der Beginn der weihnachtlichen Musikkantaten und weihnachtlichen Musik. Zur Tradition gesellten sich mit modernem Repertoire neue Stücke und weltliche Lieder. Die Herz erwärmende Themenvielfalt ist nun so groß wie der Wortschatz selbst und Lieder werden in den dunklen Tagen voll Hoffnung und Spaß gesungen. International wie regional werden auch epochenübergreifende Lieder der Klassik oder dem Barock wieder entdeckt und finden ihren Einhalt in Konzerthäuser unserer Zeit. Das Weihnachtsoratorium ist eines der Beispiele, welches sich hier „Salonfähig“ verhält und Jung und Alt begeistert.

Schon bemerkenswert, wissen wir doch nun den wahren Hintergrund der Kantaten und deren Entstehung.

Bachs Weihnachtsoratorium – das bedeutet eine beeindruckende Aufbereitung bereits bekannter Noten und Klänge.

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