Wie Musik Identität und Selbstdarstellung prägt

Musik ist nicht nur purer Ausdruck. Sie macht den Ausdruck erst möglich. Buchstäblich verstanden bedeutet dies, dass erst durch die erzeugte und gehörte Musik ein inneres Verständnis von Identifikation und Zugehörigkeit durch das Hören entstehe.

Die konsumorientierte Popmusik hat seit etwa 1950 zum Identitätsaufbau ganzer Generationen geführt. Denken wir einmal an die Rockmusik, die Szenenmusik, sowie die „Hippie“ Musik der 70er Jahre. Eine blumige Zeit, in der Identität und Selbstdarstellung breiter Gesellschaftsschichten geprägt wurde durch Künstler wie Hendrix, Emerson Lake and Palmer, Iggi Pop, David Bowie, Sex Pistols und ABBA. Musikwissenschaftlicher ziehen hier einen Zusammenhang zwischen der Popmusik und dem Begriff des klassischen „Fans“. In erster Linie sei der Fan ebenso von Bedeutung wie der Liebhaber von Klassik.

Identität und Selbstdarstellung mithilfe der Musik

Durch die verschiedensten Epochen hindurch haben sich verschiedenste Musikliebhaber an den unmittelbaren Genres angeschlossen. Nun stehen Formen der Popkultur seit den frühen fünfziger Jahren im Vordergrund und werden noch heute aktiv partizipiert. Zusammen mit einer „vorgelebten“ sozialen Norm, dargeboten in Musikvideos und Songtexten, wird Musik als Ausdruck von Identität und Mittel der Selbstdarstellung gebraucht, um ganze Generationen zu prägen und zu erreichen. Durch die verschiedenen differenzierten Stile führe jene Selbstdarstellung zu einer Jugendbewegung, die ganz eigene Vorlieben und Lebenskonzepte habe. Musik als Identifikation, Stil, Abgrenzung, Geschmack, Weltanschauung und Norm (beispielsweise durch unterschiedliche Musikstile im Rock and Roll, Beat, Pop, Punk, Hip Hop, Techno etc.).

Kultursoziologische Ergebnisse musikalischer Entwicklungen

Es scheint so, als ob man das ganze Leben lang einer bestimmten Musikvorliebe folgt. Was man in der Jugend hört, wird sich als spezifische Vorliebe dafür herausstellen. Die Musik, die wir im Jugendalter hören, wird uns das gesamte Leben hindurch begleiten. Wie eine Studie des Institutes für Musikpädagogik der Universität Frankfurt belegt, Stile, gleichermaßen wie Musikgeschmack, werden in einem relativ frühen Stadion unseres Lebens gebildet. Menschen, die sich in ihrer Jugend beispielsweise hauptsächlich mit klassischer Musik beschäftigen, werden hoher Wahrscheinlichkeit nach auch im späteren Leben größeres Interesse an der klassischen Musik zeigen als jene, die dies nicht taten. Der Zusammenhang zwischen der in der Jugend „erlernten“ Präferenz und der im Alter bevorzugten Hörgewohnheit sorgt bei dem einen somit für den „coolness“ Faktor bei etwa Strawinsky, oder bei dem anderen bei Metallica. Im Alter verändert sich dieser Zusammenhang zwischen Präferenz und Hörgewohnheit im Grunde unmerklich,- mit dem Resultat, dass man eigentlich nicht erst im Alter auf einen Musikgeschmack „kommt“, diesen jedoch vielmehr durch frühes Hören erlernt hat.

Popmusik und Musikindustrie

Befragungen von Hörgewohnheiten unter allen Altersgruppen konnten beispielsweise zeigen, dass die Popmusik eher bei der jüngeren Generation ankommt. Neueste Musikkreationen werden so von der Musikindustrie bewusst an das Konzept von Jugendzeit gebunden, um den Markt entsprechend zu bedienen. Seien es nun gute oder schlechte Ideale, die hier verkörpert werden, doch stehen diese oft in Zusammenhang mit einer Leichtigkeit des Lebens, die die Welt oder andere Vorkommnisse der Jugend im Fokus haben. Denken wir beispielsweise an die erste Liebe, den Verlust der ersten Liebe, der aufkommenden Freiheit mit Selbstfindung, Identität, Selbstdarstellung und Konsumgebrauch, Alkohol- oder Drogenkonsum, Sexualität,- solche und andere Themen spielen in heutiger Popmusik eine übergeordnete Rolle und richte sich an eine jugendliche Narrheit und mögliche Naivität. Hauptmerkmale liegen hier auf der Trivialisierung der Thematik und charakterisiere sich häufig durch die „Performance“ auf der Bühne oder Kreativität des Musikvideos. Die Zeit der Jugend zeichne sich so als kulturschaffender Faktor einer Lebenszeit ab, die sämtliche Bandbreiten an „Teenagerphasen“ ins Licht stelle und im wesentlichsten Teil bei der Orientierung und Zugehörigkeit der Identitätsfindung beiträgt. Man sagt nicht umsonst, dass sich junge Menschen noch prägen ließen,- ein Fakt, den die Popmusik zu instrumentalisieren vermag.

Musik als Kultivierung

Mit Aufkommen neuer Medien wird diese kulturelle Zugehörigkeit jedoch seltener auf nationaler Ebene, sondern auf internationale Ebene ausgeweitet und das Phänomen der Welt erfahren. Anders ausgedrückt,- der kulturelle Hintergrund der Nationalität bleibt bei der Musikerfahrung durch Ausweitung der Denk- und Gefühlserfahrung über die Staatengrenze hinaus erhalten und durch intersoziale Verlinkung angereichert. Musik als vorgelebte Identität, designt als sogenannter Akkulturationsprozess, der ohne die Jugend nicht erfolgreich sein kann. Musik als Symbol, Identität, Selbstdarstellung und Suggestivkraft – ein Kulturprozess der Jugend also?

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