Novembermusik zur Trauerbewältigung – Momento Mori

Der November macht uns schon ein bisschen nachdenklich. Wenig Menschen können von sich behaupten, nach dem Sommer den dunkleren Herbsttagen voller Zuversicht entgegen zu blicken.

Der November besitzt eine Zeitqualität, die durch kürzere Tage, herbstlich feuchtes Wetter sowie Dunkelheit geprägt ist. Licht in diese trübe Jahreszeit bringt erst die Advents- und Weihnachtszeit, in der viele wieder mehr Stunden im Kreise der Familie verbringen und der leuchtende Weihnachtszauber einsetzt. Sehen wir uns doch so kurz vor dieser besinnlichen Zeit noch einmal innehalten und das Jahr, selbst das Leben, Revue passieren: der November lenkt unseren Blick auf das Vergängliche sowie auf das Sterbliche. Im Gedenken an Verstorbene werden wir uns der Tatsache bewusst, dass das eigene Leben nicht ewig ist.

Memento Mori – Bedenke, du bist sterblich

Auf Lateinisch bedeuten die zwei Worte  Memento Mori eine Betrachtung von Tod und Sterblichkeit, der wir zwangsläufig gegenüberstehen. Das Leben ist endlich. Besonders im November werden wir uns der Tatsache bewusst: irgendwann werden auch wir den letzten Gang antreten, dabei erinnern wir uns oft im Gedenken an die, die nicht mehr unter uns weilen. Die engsten Familienmitglieder oder Freunde,- wir verlieren uns in dunkle Gedanken der Trauer und Wehmut. Ebenso erreicht uns Trauer um Menschen, die uns fremd sind, die wir nicht kennen, aus Mitgefühl für deren Schicksale und Leid. Die trübe Zeit des Novembers – 4 Wochen, in denen wir eigentlich der Weihnachtszeit entgegen blicken könnten, jedoch jene Tage noch etwas auf sich warten lassen. Und das ist sogar gut so, glaubt man den Soziologen, wie gleichermaßen der Kirche.

Verlorene Werte einer Gesellschaft, die den Tod aus ihrem Umfeld verbannt hat

Wir besinnen uns – nicht auf weihnachtliche Werte – sondern setzen uns einer komplett anderen Welt aus: wir gedenken den Verstorbenen und respektieren den Umgang mit dem Tod, bei gleichzeitiger Hoffnung auf die eigene Erlösung (folgt man der christlich-geistlichen Auffassung):

  • Ars Moriendi – der Hoffnung auf einen gnädigen Tod zur Sterbestunde,- der Hoffnung, am Ende doch alles richtig gemacht zu haben und ein erfülltes Leben gelebt zu haben.

Wir sehen also, der November ist eine Zeitqualität, in der eine gesunde Auseinandersetzung mit dem Tod nicht gänzlich fehlen sollte. Haben wir doch in unserer Gesellschaft den natürlichen Umgang mit dem Tod und dem damit verbundenen Verlust verlernt sowie aus unserer Vorstellung vom Leben verbannt. Nur sollten wir nicht vergessen, dass das Leben nur eine Illusion von Ewigkeit ist und uns ein unbegrenztes Leben nicht zur Verfügung steht.

Trauermusik zur Bewältigung von Trauer und Verlust

Die Trauerarbeit als Begriff zu verstehen bedeutet, sich mit der Trauer oder dem Verlust zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. In der Trauermusik werden Themen musikalisch aufgegriffen und behandelt, es wird sich mit der Thematik ‚Tod‘ beschäftigt. Die musikalischen Gehörgewohnheiten bieten hier ein breites Spektrum, um in Momenten der Erinnerung und des Gedenkens einen Rückzugsort zu schaffen und dabei der Trauer Ausdruck zu verleihen. Eine der wichtigsten Kompositionen und Arbeiten der Trauerbewältigung sind klassische Beispiele aus dem Barock hin zu Mozarts Requiem, komponiert als streng programmierte kirchenmusikalische Auseinandersetzung mit dem Tod und das Leben in verschiedenen Sätzen und Sequenzen. Requiem – das sind musikalische Totenmessen für die Verstorbenen und stimmen auf kirchlicher Ebene bei mehreren Sätzen seperate große Einzelwerke an. Die herausgehobene Thematik Tod wird durch den Einzugsgesang bis hin zum Communio, dem ewigen Licht, gestaltet. Die Kompositionen stehen so als Vorbereitung eines Komponisten auf den eigenen Tod, oder skizzieren einen feierlichen Gedanken an herausragende Persönlichkeiten bis hin zu einem monumental bedrohlichen Ereignisses sowie der Klage gegen das Unmenschliche, wie beispielsweise dem Krieg.

 

Requiem Platoon

Johann Christian Bach – Missa da Requiem and Miserere in B flat major

 

Lacrimosa – Requiem Mozart

Requiem in D-Minor – Haydn

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