Durch Malerei Musik festhalten

Die menschliche Gefühlswelt zu ergründen ist eine schwere Aufgabe und erscheint vielen als unmöglich. Da jedoch besonders der Zugang zu unserer Gefühlswelt eine wichtige Rolle spielt, Erlebnisse und Emotionen zu verarbeiten, gibt es in der Musiktherapie einige interessante Ansätze und Übungen. Unterdrückte Emotionen über längere Zeit angestaut und verdrängt, erzeugen häufig Schmerzen und lagern sich tendenziell im unteren Teil des Körpers ab. Damit es erst gar nicht so weit kommt, kann mit Malerei und Musik eine Brücke geschlossen werden, um den Tiefen der Gefühlswelt durch Form und Farbe Ausdruck zu verleihen.

Sich Ausdrücken

Es gibt vielerlei Arten sich auszudrücken, betrachten wir beispielsweise die Sprache, Gestik, oder Mimik des Menschen. Aber haben Sie bereits darüber nachgedacht, welche Möglichkeiten es gibt, wenn diese schlechthin bekannten Formen des Ausdrucks nicht mehr ausreichen und das Gesagte längst nicht die Gefühlswelt beschreibt, es jedoch verlangt? Emotionen und Affekte besitzen den Charakter, sich nicht beschreiben zu lassen oder nur teilweise durch Sprache, Mimik oder Gestik veranschaulichen zu lassen. Deshalb ist es wichtig, einen Alternativweg zu gehen und eine Möglichkeit zu finden, ein Gefühl ernst zu nehmen oder zu konkretisieren. Sich Zeit zu nehmen, aufmerksam auf Empfindungen und Gefühle zu hören.

Musik als Inspiration

Musik öffnet ein weites Spektrum, um sich persönlich auszudrücken. Jeglicher Ton besitzt eine Art Qualität, sich durch Farbe und Form auszudrücken. Die Qualität der Musik nimmt sich bewusst Charakteristika einer ganzen Reihe von Assoziationen zu Nutze und erweitert so den Prozess der Wahrnehmung. Musik ist nicht nur Hören mit den Ohren, sondern eine Ebene des Bewusstseins, der Gefühlswelt und Intuition. Musikereignisse drücken in uns in vielerlei Hinsicht mehrschichtige Erfahrungen aus, die sich selbst bei Wiederholung an einem anderen Tag unterschiedlich einordnen lassen. So empfinden wir beispielsweise einen Akkord an einem Tag angenehm, jedoch an einem anderen Tag als störend.

Ausdruck durch Malerei – Anwendung

Ein Teil unseres Verstands bemüht sich beim Musikhören das Gehörte einzuordnen und Reaktionen abzuarbeiten. In folgendem Konzept geht es dabei, diese Reaktionen und Gedanken aufmerksam nieder zu schreiben, ähnlich wie bei dem Aufschreiben eines Traumes am Morgen, bevor man sich nicht mehr daran erinnern kann. Aufmerksam werden wir Assoziationen, Empfindungen, Gefühle und Ideen nach dem Anhören eines Musikstücks aufschreiben oder mit Farben und Formen versuchen zu malen. Sie werden einen langsamen Prozess in Gang setzen, der durch Spaß an der Musik sogar völlig unerwartete Aspekte ans Tageslicht bringt und spontan zum Ausdruck der Seele wird. Der Zweck ist es, flüchtige Gedanken festzuhalten und den Wahrnehmungsprozess ungestört ablaufen zu lassen.

Wir zeichnen, was wir hören

Nach dem Hörerlebnis der Musik, wobei hierbei gern auch experimentiert werden darf, nehmen Sie sich etwa 23 Minuten Zeit, das Gehörte durch einfache Skizzen wiederzugeben. Legen Sie sich dazu ein paar Buntstifte zur Seite, Bleistift und Marker. Die Idee ist es, den Verstand dabei völlig außen vor zu lassen und nur die sogenannte rechte Gehirnhälfte brauchbar für Beobachtungen, des Fühlens und Zeichnens, zu gebrauchen. Die linke Gehirnhälfte vermag einen reinen Prozess der Gefühlswelt allzu leicht zu übernehmen und durch Intellekt oder analytischem Denken den Prozess des Erlebten zu entziehen. Gerade deshalb benötigen Sie für diesen Prozess ein wenig Übung und können durch bewusstes Malen, den aktiven Wahrnehmungsprozess Ihrer Gefühlswelt steigern.

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